SehnsuchtnachLeben

Die Sehn(- Sucht) mit der Sucht...
 

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Was soll schon so schlimm werden.....

Ich bekam eine sehr nette Zimmergenossin zugeteilt, Sonja, sie war wirklich ein Herz von einem Menschen und zum ersten Mal begannen meine Vorurteile gegenüber Alkoholabhängigen zu brökeln...

Was kann ich mir auch ein Urteil erlauben gegen "Süchtige" gleich welcher Art....ich war ja selbst einer von ihnen!

Und in den nächsten Tagen zwischen Therapiestunden und Rauchpausen wurde mir immer mehr bewußt daß jeder sein eigenes "Körbchen", sein eigenes Schicksal zu tragen hatte. Es waren ganz liebe Menschen die ich kennenlernen durfte und vom Lehrer zur Hausfrau alles vertreten...

Es gab feste Essenszeiten und jeder mußte mit anpacken, Tisch decken, Küchendienst, Essensausgabe.
Nach dem Essen saß an einem Einzeltisch eine Schwester und teilte jedem sein "Portiönchen" irgendwas zu...in kleinen Plastikbechern...Krampfschutz, Vitamine, Substitutionsmittelchen....und mir eben in einem kleinen Metallbecherchen meine "Ration Rauschmittel", gemischt mit Grapefruitsaft.
(Was mich allerdings sehr stutzig werden ließ war die Tatsache daß ich meine Opiate auch manchmal in Tropfenform nahm, je nachdem was ich halt gerade verschrieben bekam und dieser alles durchdringende Geruch, geschweige denn Geschmack...den hatte ich bei keinem Tag in der Klinik in dem "Grapefruitsaft-Gemisch" wahrgenommen. Und ich KANNTE den Geschmack, sogar eine kleine Dosis die ich manchmal selbst in irgendeinen Saft gemischt habe...der war NICHT da!!!)

Den ersten Tag ging es mir boch relativ gut, ich hatte ja morgens noch meine 3-Stück-Dosis "eingeworfen".
Ab dem zweiten Tag kamen die Entzugserscheinungen.....

27.3.13 13:49, kommentieren

Einmal Hölle und zurück.....

Ab dem zweiten Tag spürte ich die körperliche Schwäche und, es kann keiner im geringsten nachempfinden der derartige Entzugserscheinungen noch nicht erlebt hat...

Ich war fast fähig zu--- GAR NICHTS!! Treppensteigen, ein Hürdenlauf...und gleichzeitig aber eine derartige körperliche Unruhe, ein inneres "ständig-nicht-stillhalten-zu-können", als wenn im Körper tausend Schmetterlinge auf und ab fliegen (und das nicht im positiven Sinn :-(
Frieren, Schwitzen, Gänsehaut ohne zu frieren...und das alles abwechselnd-sekündlich!
Meine Nase war die ganze Zeit "zu", ich konnte kaum durch die Nase atmen und mußte ständig niesen, wie eine starke Erkältung.
Zudem stellten sich irre Kopfschmerzen ein und ich hatte nicht einmal eine "Notfalltablette" (Paracetamol oder dergleichen)

Die ganze Zeit überlegte ich hin und her ob ich nach einem Kopfschmerzmittel oder Nasentropfen fragen sollte...aber dann kamen mir Zweifel denn ich wollte ja möglichst schnell wieder bei meinen Lieben zuhause sein und wenn ich nach einem Kopfschmerzmittel fragen würde...würde man mir dann daraus "einen Strick drehen??" So auf die Art: "Na die hält ja gar nichts aus, die schafft den Entzug nicht, beim kleinsten Zipperlein schmeißt die wieder was ein..."

Ich muß sagen, ich hatte auch einen Heiden-Respekt vor den Psychologen, schließlich war ich das erste Mal in so einer Einrichtung aber da Weihnachten nahte und ich möglichst schnell wieder daheim sein wollte ( ich wollte meinen Lieben die Vorweihnachtszeit nicht "versaun", meine Tochter hatte sich doch so darauf gefreut mit mir Plätzchen zu backen...:-( und schließlich gabs bei mir ja nicht mehr viel zu " entziehen", ich hatte mich ja selbst schon auf eine niedrige Dosis runterreduziert, es waren Momente da, da empfand ich das ganze--MEINEN--"Entzug" als absurd und lächerlich, ich hätte es daheim warscheinlich auch geschafft dachte ich mir...

27.3.13 13:49, kommentieren

Jeden Tag mehr Hölle und zurück....

Die Entzugserscheinungen wurden jeden Tag schlimmer, ich hatte das Gefühl mein Kopf würde explodieren, am dritten Tag hielt ich es nicht mehr aus und ich überwand mich, die Schwester doch nach einem Mittel gegen die Kopfschmerzen zu fragen. Sie gab mir Pfefferminzöl das ich mir auf die Schläfe reiben sollte...geholfen hat es nicht wirklich aber als ich anfing meine Wasserflasche überall mit hinzutragen wo ich war und mich zwang mehr zu trinken (was ich durch den Opiat-Konsum ja etwas "verlernt" hatte, schließlich war ich gegen jegliche körperlichen Gefühle fast immun geworden..!) wurden auch die Kopfschmerzen etwas besser.

Die anderen-- und ich finde-- viel schlimmeren Entzugserscheinungen blieben allerdings. Es war ein Horror-Kreislauf. Tagsüber diese furchtbar elendige körperliche Schwäche (das empfand ich als eine der schlimmsten Entzugserscheinungen, man muß es sich vorstellen daß man zu nichts fähig ist, man hat weder Lust und Motivation etwas zu tun...aner körperlich geht es schon gar nicht. Es fühlt sich an wie nach einem Marathonlauf, absolute körperliche Disfunktion!!! RIEN NE VA PLUS!!!

Und die zweitschlimmste Entzugserscheinung, nein, eigentlich mit der körperlichen Schwäche abwechselnd auch die Schlimmste mit...war diese innere Unruhe, die man kaum beschreiben kann.
Das ist so ein körperlicher Zwispalt der in diesen Momenten in einem vorgeht...schwach zu sein und doch nicht still sitzen...geschweige denn schlafen zu können...an Schlaf war gar nicht zu denken, ich wälzte mich nachts nur hin und her ( meine arme Zimmergenossin) woraus folgte daß zu meiner körperlichen Schwäche auch noch eine absolute Müdigkeit tagsüber kam...es war wirklich ein absoluter Horror-Kreislauf!!!

27.3.13 13:50, kommentieren

Zwischen "Zudröhnen" und absetzen....

Ich bekam zu meiner täglichen Metallbecherchen-Dosis noch kleine verschiedenfarbige Pillen, auf mein Nachfragen hieß es "Magnesium, Vitamine, Krampfschutz...bla bla.."

Nach dem Abendessen hielten sich alle meistens im "Aufenthalts-und Fernsehraum" auf zum quatschen, Tv sehen....

Einige Zeit nach dem "Krampfschutz-bla bla" bemerkte ich daß mir total schwindelig wurde, ich kam mir vor wie absolut zugedröhnt, ich konnte weder gerade laufen, noch meinen Kopf richtig stillhalten,ging zum Schwesternzimmer und fragte ob man diesen " Krampfschutz" nicht weglassen oder durch etwas anderes ersetzen könne
(Nicht daß ich in meiner "Glanzzeit" etwas dagegen gehabt hatte derartige Wirkung zu verspüren, aber jetzt kam ich mir nur wirr im Kopf vor...außerdem ist es ein Unterschied ob man es selbst in der Hand hat wieviel oder welche Wirkung man mit Medikamenten verspürt oder ob man "willenlos weg-gebeamt" wird und ich war richtig sauer!!)

Sie machte sich Notizen und ab dem nächsten Tag bekam ich einen Ersatz.

Ca. 3 Stunden nach dem Abendessen wurde ich immer zum Schwesternzimmer gebeten wo ich noch ein "Nachtration-Potiönchen" zu mir nehmen sollte. Nach dem 3.Tag fragte ich den Nachtpfleger ob man das "Teufelszeug" denn über Nacht nicht weglassen könne, mir "ginge es doch soweit gut" (was in Anbetracht meiner Entzugserscheinungen meine Nase Pinnocchio-mäßig um einiges "wachsen" ließ, aber ich wollte eben auf biegen und brechen schneller reduzieren, es gab schließlich eh nicht mehr viel zu "entziehen", also warum nicht schneller..??!!!

( Als sich am ersten Tag die Psychologin bei mir vorstellte und meinte "na, mit 14 Tagen ist hier aber nix getan, das wird schon ein längerer Weg..." ---obwohl man mir bei der Suchtberatung zugesichert hatte es würde nicht länger als 7-10 Tage dauern zu "entgiften"...brachen mir schon die "Schweiß-Tränen" aus ud ich nahm mir vor, in maximal 10 Tagen draußen zu sein!!!)

Konnten die denn alle nicht verstehen daß meine Tochter mich brauchte???
Im Nachhinein überlegt klingt das sehr paradox denn aufgrund meines hohen Konsums hatte ich mir ja selbst früher kaum Gedanken drüber gemacht daß meine Tochter mich brauchen würde, in meinem "Tablettenwahn" dachte ich immer es "wird schon alles gutgehen"...

27.3.13 13:50, kommentieren

Bin das ich....??

Nach 4 Tagen konnte ich mich das erste Mal wieder im "Spiegel ansehen"...(nicht wörtlich, aufgrund meiner Eitelkeit sehe ich mich jeden Tag beim Schminken im Spiegel an ;-)

Nein, ich konnte mein "Ich" wieder im Spiegel sehen, vorher wollte ich es gar nicht, im Grunde wußte ich ja immer daß es falsch war was ich tat, daß es falsch war fast unkontrollierbar Tabletten zu nehmen, ich hatte mich immer in gewissen Sinne vor mir selbst geekelt und auch davor "geekelt" was ich meiner Familie damit antat...und doch konnte ich nie aufhören...ich brauchte dieses "in Watte gepackt sein-Gefühl", ich brauchte dieses Gefühl von "die ganze Welt ist schön,es gibt keine Probleme...", dieses Gefühl von absoluter Kontrolle über mein "Funktionieren" zu haben...(und ich konnte stundenlang "funktionieren", ich konnte stundenlang einer Tätigkeit, Hausarbeit etc nachgehen..stundenlang...monoton...eifrig..."fleißig"....ohne die Geduld dabei zu verlieren...!

Auf einmal war alles so "schrecklich real" (und das in der Klinik war erst der Anfang, wie "real" es noch werden würde, davon ahnte ich zu dieser Zeit noch nichts, alles war momentan "easy", ich wollte es schaffen...!!!

Selbst zu Zeiten schlimmster Entzugserscheinungen sagte ich immer wieder zu mir selbst: "Stell dich nicht so an, Du schaffst das!"
Alles war (noch) leicht im Gegensatz was mir noch bevorstand....

Als ich mich im Spiegel betrachtete sah ich mich zum ersten Mal ohne Schminke als "Schön" an, denn ich konnte mein "Ich" wieder ansehen.
Sogar meine Haut war reiner geworden und ich dachte sogar daß meine Augen etwas mehr strahlen würden, ich hatte wieder etwas Glanz in den Augen ( was mir vorher immer aufgefallen aber ich nie wahrhaben wollte...und da ich immer geschminkt bin konnte ich es auch vor anderen gut verbergen, nämlich, daß meine Augen immer krank und müde aussahen.)

War ich wieder ein kleiner Teil Ich selbst??

27.3.13 13:50, kommentieren

Every Day is a new day to change your life!!!

26.2.13 18:24, kommentieren